Detektei Detegere
Spesenbetrug ist selten „der große Coup“. Er ist meist Routine, gut getarnt – und genau deshalb so teuer.
Ein paar „kreative“ Belege hier, ein angeblicher Kundentermin dort, ein Hotel, das nie besucht wurde, oder eine Gefälligkeitsrechnung vom „befreundeten“ Dienstleister.
Das Gefährliche: Wenn sich solche Muster etablieren, verliert ein Unternehmen nicht nur Geld – sondern Kontrolle. Denn Spesenbetrug ist oft ein Indikator für mehr: Interessenkonflikte, Kickbacks, Zeitbetrug, Datenabfluss oder systematische Manipulation.
In diesem Beitrag erfahren Sie:
- welche Warnsignale Sie ernst nehmen sollten
- welche Muster in der Praxis typischerweise auftreten
- wie Sie Beweise sichern, ohne intern unnötig zu eskalieren
(Hinweis: Keine Rechtsberatung – sondern kriminalistische Praxis-Orientierung.)
1) Was sind „Gefälligkeitsbelege“ – und warum sind sie so verbreitet?
Gefälligkeitsbelege sind Belege/Rechnungen, die zwar „echt aussehen“, aber inhaltlich nicht stimmen:
- Leistung wurde nicht erbracht oder anders erbracht
- Termin fand nicht statt / Teilnehmer stimmen nicht
- Beträge wurden „angepasst“
- Belege werden doppelt verwendet oder umdeklariert
Oft geschieht das nicht allein, sondern mit Dritten:
- befreundete Gastronomie / Hotels / Dienstleister
- „Partnerunternehmen“ oder Scheinfirmen
- Absprachen im Vertrieb/Einkauf (Kickback-Nähe)
2) Typische Warnsignale (Red Flags) in Unternehmen
A) Auffälligkeiten in den Belegen
- Belege ohne saubere Pflichtangaben (ungewöhnliche Formate, wechselnde Layouts)
- auffällige Rundbeträge / untypische Trinkgeldquoten / wiederkehrende gleiche Summen
- handschriftliche Ergänzungen, nachträgliche Änderungen
- ungewöhnlich viele „Barzahlungen“ oder fehlende Zahlungsnachweise
- doppelte Belege (gleiches Datum, gleiche Summe, ähnliche Positionen)
B) Auffälligkeiten in der Reisetätigkeit
- viele Reisen ohne klare Ergebnisse (keine Leads, keine Protokolle, keine Folgeaktivitäten)
- Reisezeit passt nicht zum Termin (zu kurz/zu lang/„Umwege“)
- wiederkehrend gleiche Hotels/Restaurants ohne nachvollziehbaren Grund
- hohe Frequenz „Kundentermine“ bei gleicher Region, aber ohne Pipeline-Logik
C) Auffälligkeiten im Verhalten / Prozess
- Widerstand gegen neue Spesenrichtlinien oder digitale Tools
- „Sonderwege“ bei Freigaben (immer dieselbe Person, immer „dringend“)
- auffällige Nähe zu bestimmten Dienstleistern
- Diskussionen werden emotional statt sachlich („Misstrauen!“, „Ich kündige!“)
Merksatz: Spesenbetrug erkennt man selten an einem Beleg – sondern an Mustern.
3) Die häufigsten Muster aus der Praxis (ohne Täter-How-to)
Muster 1: „Schein-Kundentermin“
Kundentermin wird behauptet, aber:
- keine E-Mail-/Kalender-/CRM-Spuren
- keine Angebote, keine Follow-ups
- Gesprächspartner nicht auffindbar oder „nie getroffen“
Muster 2: „Doppelte Verwertung“
Beleg taucht mehrfach auf – oder wird anders deklariert:
- Bewirtung → „Meetingkosten“
- Hotel → „Konferenz“
- Taxi → „Kundenfahrt“
Muster 3: „Gefälligkeitsdienstleister“
Immer derselbe Dienstleister schreibt Rechnungen – oft:
- auffällig pauschal („Beratung“, „Service“, „Support“)
- ohne Leistungsnachweis
- ohne Projektbezug
Muster 4: „Kickback-Nähe“
Spesen sind nicht der Hauptschaden, sondern der Deckmantel:
- Spesen als „Ausgleich“ für interne Deals
- private Vorteile als Gegenleistung (Einladungen, Gutscheine, Provisionen)
4) Beweissicherung: So werden Sie handlungsfähig (ohne Aktionismus)
Eine saubere Sachverhaltsaufklärung folgt einem klaren Ablauf:
Scope → Beweisplan → Timeline → Ergebnislogik.
Schritt 1: Scope definieren
- Zeitraum (z. B. 6–18 Monate, je nach Verdacht)
- betroffene Kostenarten (Bewirtung, Hotel, Fahrt, Pauschalen, Dienstleister)
- betroffene Rollen (Vertrieb, Außendienst, Einkauf, Projektleitung)
Schritt 2: Beweisplan erstellen
Ziel: prüfbare Fakten, nicht „Meinungen“. Typische Prüfquellen:
- Spesenabrechnungen + Anhänge (Originale, digitale Einreichung, Metadaten)
- Reiserouten (Reisebuchungen, Tank-/Ladebelege, Hotelbuchungen)
- CRM-/Kalenderspuren (Terminlogik, Follow-ups, Ergebnisartefakte)
- Abrechnungs-/Freigabeprozesse (Wer genehmigt, wie oft, welche Ausnahmen?)
- offene Quellen (OSINT) bei Dienstleistern/Verflechtungen, sofern relevant
Schritt 3: Timeline bauen
- Welche Auffälligkeiten treten wann auf?
- Welche Belege wiederholen sich?
- Welche Dienstleister/Orte/Personen tauchen überproportional auf?
Schritt 4: Ergebnislogik & Entscheidungsvorlage
Am Ende muss klar sein:
- Was ist gesichert?
- Was ist plausibel (mit Begründung)?
- Was ist nicht belegbar?
- Welche Maßnahmen sind sinnvoll (prozessual, organisatorisch, personell)?
5) Häufige Fehler, die Unternehmen teuer bezahlen
❌ Zu früh konfrontieren
Wer ohne Faktenlage konfrontiert, riskiert:
- Beweisvernichtung
- abgesprochene Aussagen
- Eskalation im Team
❌ „Wir prüfen mal alles“
Ohne Scope wird es unverhältnismäßig und ineffizient.
❌ Nur Buchhaltung „draufschauen lassen“
Buchhaltung erkennt Zahlen – aber nicht immer Täterlogik, Muster, Verflechtungen. Spesenbetrug ist häufig sozial/strategisch organisiert.
❌ Keine saubere Dokumentation
Ohne nachvollziehbare Beleg- und Prozesskette bleibt am Ende nur „Eindruck“.
6) Prävention: Drei schnelle Backstops, die sofort wirken
- 4-Augen-Prinzip bei auffälligen Positionen (Bewirtung, Pauschalen, Dienstleister)
- Belegpflicht + Leistungsnachweis bei „Beratung/Service“-Rechnungen
- Muster-Reporting: wiederkehrende Orte, Dienstleister, Rundbeträge, Ausnahmen
Nicht als Misstrauenskultur – sondern als Professionalität.
7) Frankfurt/Rhein-Main – und deutschlandweit
Gerade im Raum Frankfurt/Rhein-Main (Finanzdienstleister, Industrie, Logistik, Beratung, Außendienststrukturen) sehen wir Spesen- und Belegmanipulation besonders häufig, weil:
- Reisetätigkeit hoch ist,
- Budgets verteilt sind,
- Prozesse historisch gewachsen sind.
Detektei Detegere unterstützt Unternehmen von Alzenau aus im gesamten Rhein-Main-Gebiet sowie deutschlandweit – diskret, strukturiert, mit Fokus auf beweisorientierte Sachverhaltsaufklärung.
Fazit: Spesenbetrug ist selten „nur Spesen“
Wenn Spesenbetrug oder Gefälligkeitsbelege im Raum stehen, braucht es keine Panik – sondern Präzision:
- Muster erkennen
- Widersprüche prüfen
- Belege sichern
- Ergebnislogik erstellen
Wenn Sie einen Verdacht prüfen möchten, ohne intern unnötig Unruhe zu erzeugen:
📞 0049 1 70 2 48 12 78 · ✉️ Oliver.peth@kriminalistik.info – diskrete Erstbewertung, Frankfurt/Rhein-Main & deutschlandweit.



