Krypto, Tarnfirmen und Sanktionsumgehung – warum „Follow the Money“ für Unternehmen immer wichtiger wird
Stand: 8. August 2026
Internationale Geschäftsbeziehungen werden komplexer. Gleichzeitig werden die Methoden zur Verschleierung wirtschaftlicher Interessen professioneller.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Briefkastenfirmen, Offshore-Gesellschaften oder Konten in unterschiedlichen Jurisdiktionen. Kryptowährungen, internationale Unternehmensstrukturen, digitale Zahlungsdienstleister und wirtschaftlich Berechtigte können miteinander zu Netzwerken verbunden werden, die auf den ersten Blick kaum durchschaubar erscheinen.
Ein aktueller Fall aus den USA zeigt, weshalb Unternehmen bei internationalen Geschäftspartnern heute genauer hinsehen sollten.
Am 7. August 2026 verhängte das Office of Foreign Assets Control des US-Finanzministeriums Sanktionen gegen mehrere Akteure aus dem Bereich digitaler Vermögenswerte. Darunter befindet sich auch die unter anderem in Dubai auftretende Kryptobörse Shelbit Exchange.
Nach Angaben des US-Finanzministeriums sollen digitale Währungsadressen des iranischen Islamic Revolutionary Guard Corps, kurz IRGC, Kryptowährungen im Wert von mehr als einer Million US-Dollar an Shelbit-Adressen transferiert haben. In die andere Richtung seien laut US-Finanzministerium mehr als zwei Millionen US-Dollar von Shelbit-Adressen an IRGC-Wallets geflossen. Außerdem nennt OFAC mehrere Gesellschaften in unterschiedlichen Staaten, die einem damit verbundenen Unternehmensnetzwerk zugerechnet werden.
Reuters hatte bereits am 31. Juli 2026 über ein wesentlich größeres Netzwerk berichtet. Nach Auswertung von Blockchain-Daten durch Kryptoforensiker und einen unabhängigen Ermittler soll Shelbit seit Mai 2024 Transaktionen im Umfang von mindestens vier Milliarden US-Dollar verarbeitet haben. In dem von Reuters beschriebenen Geflecht spielten unter anderem Kryptowährungen, ein umfangreiches Online-Glücksspielnetzwerk, Gesellschaften in mehreren Staaten sowie Verbindungen zu iranischen Akteuren eine Rolle.
Wichtig: Shelbit weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen erklärte, nicht wissentlich an Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung, illegalem Glücksspiel oder Sanktionsumgehung beteiligt gewesen zu sein und nach eigenen Angaben den Betrieb bereits im Januar 2026 eingestellt zu haben.
Für Unternehmen in Deutschland ist dieser Fall dennoch interessant.
Denn er zeigt exemplarisch, warum moderne Geschäftspartnerprüfungen weit über einen einfachen Handelsregisterauszug hinausgehen müssen.
Das eigentliche Risiko liegt häufig hinter dem Vertragspartner
Ein Unternehmen kann auf den ersten Blick vollkommen unauffällig erscheinen.
Es besitzt eine Firmenregistrierung, eine Internetseite, Ansprechpartner, Geschäftsräume und möglicherweise sogar eine mehrjährige Unternehmenshistorie.
Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass die tatsächlichen wirtschaftlichen Verbindungen ebenso transparent sind.
Bei komplexen internationalen Strukturen können beispielsweise mehrere Unternehmen zwischengeschaltet sein. Gesellschaften können wiederum über andere Gesellschaften gehalten werden. Geschäftsführer können lediglich operative Funktionen ausüben, während wirtschaftlich andere Personen die Kontrolle besitzen.
Zusätzlich können Zahlungen über unterschiedliche Staaten, Zahlungsdienstleister, Kryptobörsen oder Wallets geleitet werden.
Genau deshalb lautet eine der wichtigsten Regeln moderner Wirtschaftsermittlungen weiterhin:
Follow the Money.
Wer Zahlungsströme, Unternehmensstrukturen und persönliche Beziehungen miteinander verbindet, erhält häufig ein völlig anderes Bild als bei der isolierten Betrachtung eines einzelnen Unternehmens.
Tarnfirmen sind selten isolierte Konstruktionen
Sanktionsumgehung funktioniert häufig nicht dadurch, dass eine sanktionierte Person unter ihrem eigenen Namen direkt Geschäfte tätigt.
Viel effektiver sind mehrstufige Strukturen.
Denkbar sind beispielsweise:
- neu gegründete Handelsgesellschaften,
- Unternehmen in unterschiedlichen Jurisdiktionen,
- wechselnde Geschäftsführer oder Gesellschafter,
- Treuhand- oder Strohmänner,
- Unternehmen ohne nachvollziehbare operative Tätigkeit,
- ungewöhnliche Zahlungswege,
- zwischengeschaltete Handelsunternehmen,
- Verbindungen zu bereits auffälligen Personen oder Unternehmen,
- digitale Zahlungsdienstleister und Kryptowährungen.
Jedes einzelne Element kann vollkommen legal sein.
Problematisch wird die Struktur oftmals erst durch die Verbindung mehrerer Informationen.
Deshalb reicht es nicht, lediglich festzustellen, dass eine Gesellschaft existiert. Entscheidend ist vielmehr die Frage:
Wer steht tatsächlich dahinter, wer kontrolliert sie, mit wem bestehen Verbindungen und wohin fließt das Geld?
Kryptowährungen sind nicht automatisch anonym
Noch immer hält sich die Vorstellung, Kryptowährungen würden Geldbewegungen praktisch unsichtbar machen.
Das ist zu pauschal.
Bei öffentlichen Blockchains können Transaktionen dauerhaft dokumentiert und technisch analysiert werden. Wallet-Adressen sind zunächst zwar keine Personalausweise. Sobald sich eine Adresse jedoch einer Person, einem Unternehmen, einer Börse oder einem bekannten Netzwerk zuordnen lässt, können vergangene Transaktionen wichtige Ermittlungsansätze liefern.
Genau diese Verbindung zwischen Blockchain Intelligence und klassischer Intelligence-Arbeit wird zunehmend relevant.
Auch die Europäische Union hat die regulatorischen Anforderungen an die Nachvollziehbarkeit von Kryptotransfers deutlich erweitert. Die seit dem 30. Dezember 2024 anwendbaren europäischen Regelungen zu Informationen bei bestimmten Kryptotransfers sollen insbesondere die Rückverfolgbarkeit verbessern und verdächtige Transaktionen leichter erkennbar machen.
Kryptowährungen beseitigen daher die Spur des Geldes nicht zwangsläufig.
Sie verändern sie.
Vier Ermittlungsbereiche müssen zusammengedacht werden
Bei komplexen internationalen Sachverhalten reicht eine einzelne Recherchetechnik häufig nicht aus.
Besonders wirkungsvoll wird eine Untersuchung dann, wenn verschiedene Ermittlungsbereiche miteinander kombiniert werden.
1. OSINT – Open Source Intelligence
OSINT kann öffentlich zugängliche Informationen aus zahlreichen Quellen miteinander verbinden.
Dazu können beispielsweise gehören:
Firmenregister, Veröffentlichungen, Webseiten, Domains, Social-Media-Profile, Presseberichte, historische Webseiten, Unternehmensverbindungen, Adressen, Telefonnummern, Geschäftspartner und weitere digitale Spuren.
Die entscheidende Leistung besteht dabei nicht darin, möglichst viele Informationen zu sammeln.
Entscheidend ist deren Bewertung und Verknüpfung.
2. Background Checks
Ein Background Check richtet den Blick stärker auf die handelnden Personen und Unternehmen.
Wer sind Geschäftsführer und Gesellschafter?
Welche Unternehmen wurden zuvor geführt?
Tauchen dieselben Personen immer wieder in unterschiedlichen Gesellschaften auf?
Existieren Insolvenzen, regulatorische Auffälligkeiten, negative Presseberichte oder Verbindungen zu bereits bekannten Risikostrukturen?
Besonders bei internationalen Geschäften können diese Fragen entscheidend sein.
3. Blockchain-Analyse
Sind Kryptowährungen Bestandteil des Sachverhalts, kann eine Analyse von Wallets und Transaktionswegen weitere Zusammenhänge sichtbar machen.
Dabei können unter anderem Transaktionsketten, Interaktionen mit bekannten Plattformen, zeitliche Zusammenhänge und Beziehungen zwischen unterschiedlichen Wallet-Clustern untersucht werden.
Die Blockchain liefert jedoch nur einen Teil des Bildes.
Eine Wallet-Adresse allein beantwortet noch nicht die Frage, welche natürliche oder juristische Person dahintersteht.
Genau deshalb muss Blockchain Intelligence mit anderen Informationsquellen verbunden werden.
4. Asset Tracing
Beim Asset Tracing geht es um die Frage, wohin Vermögenswerte tatsächlich geflossen sein könnten.
Neben Bank- und Kryptostrukturen können deshalb Unternehmen, Immobilien, Beteiligungen, Fahrzeuge, Luxusgüter oder andere Vermögenspositionen relevant werden.
Insbesondere bei komplexen Unternehmensnetzwerken entsteht dadurch eine Art wirtschaftliche Landkarte.
Der entscheidende Punkt: Beziehungen sichtbar machen
In komplexen Wirtschaftsermittlungen befinden sich entscheidende Informationen häufig nicht in einem einzelnen Dokument.
Sie liegen zwischen den Dokumenten.
Person A ist Geschäftsführer von Unternehmen B.
Unternehmen B besitzt dieselbe Adresse wie Unternehmen C.
Unternehmen C wird von Person D kontrolliert.
Person D taucht gleichzeitig bei Unternehmen E auf.
Eine Wallet steht wiederum mit einer Kryptobörse in Verbindung, die Zahlungen an ein anderes auffälliges Netzwerk geleistet hat.
Erst wenn solche Beziehungen systematisch zusammengeführt werden, entsteht aus einzelnen Datenpunkten ein Netzwerk.
Genau hier liegt der Kern moderner Corporate Intelligence.
Warum daraus ein konkretes Risiko für deutsche Unternehmen entsteht
Ein deutsches Unternehmen muss nicht bewusst gegen Sanktionen verstoßen, um plötzlich mit einem problematischen Sachverhalt konfrontiert zu werden.
Besonders internationale Lieferketten können mehrere Zwischenhändler enthalten.
Hinzu kommen Handelsgesellschaften, Distributoren, Vermittler, Zahlungsdienstleister und Subunternehmer.
Damit steigt das Risiko, dass der unmittelbare Vertragspartner zwar unauffällig erscheint, sich hinter ihm jedoch andere wirtschaftliche Interessen befinden.
Die Europäische Kommission weist Unternehmen im Zusammenhang mit Sanktionsumgehungsrisiken ausdrücklich darauf hin, Geschäftspartner, Transaktionen und Waren risikoorientiert zu prüfen und bei erhöhten Risiken eine vertiefte Due Diligence vorzunehmen. Als relevant gelten insbesondere ungewöhnliche Unternehmens- und Handelsstrukturen sowie Auffälligkeiten bei Transaktionen oder Geschäftspartnern.
Für die Unternehmenspraxis bedeutet das:
Know Your Customer reicht häufig nicht mehr. Unternehmen müssen zunehmend auch Know Your Business Partner, Know Your Network und Know Your Transaction berücksichtigen.
Fallbeispiel: Der scheinbar unauffällige internationale Distributor
Das folgende Beispiel ist fiktiv, zeigt jedoch einen typischen Ermittlungsansatz.
Ein deutscher Hersteller von Spezialkomponenten erhält eine Anfrage eines internationalen Distributors.
Die Gesellschaft existiert seit mehreren Jahren. Sie verfügt über eine professionell gestaltete Internetseite und legt Handelsregisterunterlagen vor.
Der Auftrag besitzt ein erhebliches Volumen.
Auf den ersten Blick spricht wenig gegen das Geschäft.
Bei einer vertieften Überprüfung fällt jedoch auf, dass sich die Gesellschafterstruktur vor etwa einem Jahr verändert hat.
Eine Holdinggesellschaft aus einem Drittstaat hält inzwischen wesentliche Anteile.
Die verantwortlichen Personen dieser Holding besitzen wiederum Verbindungen zu mehreren Handelsunternehmen.
Eine dieser Gesellschaften tauchte bereits in internationalen Medien im Zusammenhang mit möglichen Sanktionsumgehungen auf.
Gleichzeitig soll ein Teil der Zahlung nicht vom eigentlichen Vertragspartner kommen, sondern über einen externen Zahlungsdienstleister erfolgen.
Ein weiterer Teil soll mit einem Stablecoin abgewickelt werden.
Jetzt verändert sich die Risikobewertung grundlegend.
Durch OSINT werden zunächst Personen und Gesellschaften miteinander verbunden.
Ein Background Check untersucht anschließend die handelnden Personen.
Eine Blockchain-Analyse überprüft die angegebenen Wallets und deren Transaktionshistorie.
Asset Tracing sowie weiterführende Corporate-Intelligence-Maßnahmen können schließlich helfen, wirtschaftliche Verbindungen und Vermögensstrukturen genauer einzuordnen.
Keine dieser Informationen allein müsste das Geschäft verhindern.
Die Kombination der Informationen kann jedoch ein Risikomuster ergeben, das eine vertiefte Prüfung zwingend sinnvoll macht.
Red Flags bei internationalen Geschäftspartnern
Unternehmen sollten insbesondere aufmerksam werden, wenn mehrere Auffälligkeiten gleichzeitig auftreten.
Dazu gehören beispielsweise kurzfristig veränderte Eigentümerstrukturen, ungewöhnlich komplexe Beteiligungsverhältnisse, Gesellschaften ohne nachvollziehbare operative Substanz, häufig wechselnde Geschäftsführer, Zahlungen durch nicht am Geschäft beteiligte Dritte oder unerwartete Änderungen des Zahlungswegs.
Auch neu eingerichtete Wallet-Adressen, Zahlungen über verschiedene Kryptobörsen, ungewöhnliche Zwischenhändler oder Geschäftspartner in Ländern, die keinen offensichtlichen wirtschaftlichen Bezug zur Transaktion besitzen, können eine vertiefte Prüfung rechtfertigen.
Eine Red Flag ist dabei noch kein Beweis für illegales Verhalten.
Sie ist ein Ermittlungsansatz.
Warum Sanktionslisten-Screening allein nicht ausreicht
Ein klassischer Sanktionslistenabgleich bleibt wichtig.
Er besitzt jedoch eine entscheidende Grenze:
Er findet in erster Linie das, was bereits bekannt und gelistet ist.
Komplexe Strukturen können dagegen Gesellschaften einsetzen, die selbst noch auf keiner Sanktionsliste erscheinen.
Genau deshalb müssen wirtschaftlich Berechtigte, verbundene Unternehmen, Geschäftsführer, Beteiligungen und weitere Netzwerke betrachtet werden.
OFAC weist bei seiner aktuellen Maßnahme gegen das Shelbit-Netzwerk beispielsweise ausdrücklich darauf hin, dass auch Unternehmen von Blockierungsmaßnahmen erfasst werden können, die unmittelbar oder mittelbar zu mindestens 50 Prozent von sanktionierten Personen gehalten werden. Außerdem können auch Nicht-US-Personen unter bestimmten Umständen Sanktionsrisiken ausgesetzt sein.
Für ein deutsches Unternehmen bedeutet das allerdings nicht automatisch, dass jede US-Sanktion unmittelbar ein identisches deutsches oder europäisches Geschäftsverbot erzeugt.
Entscheidend sind die jeweils anwendbaren europäischen, deutschen und gegebenenfalls internationalen Sanktionsvorschriften sowie mögliche US-Bezüge und sekundäre Sanktionsrisiken.
Gerade deshalb gehört bei erhöhtem Risiko neben der tatsächlichen Ermittlung auch eine qualifizierte rechtliche Bewertung zum Gesamtprozess.
Corporate Intelligence wird zum Bestandteil des Risikomanagements
Früher wurde eine Wirtschaftsermittlung häufig erst dann beauftragt, wenn ein Problem bereits vorhanden war.
Heute verschiebt sich dieser Zeitpunkt zunehmend nach vorne.
Corporate Intelligence kann bereits vor einer Transaktion eingesetzt werden.
Zum Beispiel vor:
- internationalen Lieferverträgen,
- größeren Investitionen,
- Joint Ventures,
- Unternehmenskäufen,
- neuen Distributionspartnerschaften,
- Engagements in Hochrisikoländern,
- ungewöhnlichen Finanzierungen,
- Geschäften mit komplexen Eigentümerstrukturen.
Der entscheidende wirtschaftliche Vorteil liegt auf der Hand.
Ein problematischer Geschäftspartner ist wesentlich günstiger vor Vertragsabschluss zu erkennen als nach Zahlung, Lieferung, Ermittlungsverfahren oder Reputationsschaden.
DETEGERE: Informationen zu einem Gesamtbild verbinden
Bei komplexen wirtschaftlichen Sachverhalten betrachten wir nicht lediglich einen Namen oder einen einzelnen Registerauszug.
Entscheidend ist das Netzwerk dahinter.
Deshalb können bei einer Corporate-Intelligence-Untersuchung unterschiedliche Methoden kombiniert werden, darunter OSINT, Background Checks, Unternehmens- und Beteiligungsanalysen, internationale Recherchen, Asset Tracing sowie – abhängig vom konkreten Sachverhalt – die Analyse digitaler Finanz- und Blockchain-Spuren.
Dabei gilt ein wichtiger kriminalistischer Grundsatz:
Nicht die Menge der Informationen entscheidet über die Qualität einer Ermittlung, sondern ihre richtige Verbindung und Bewertung.
Gerade bei internationalen Unternehmensstrukturen können kleine Auffälligkeiten entscheidend sein.
Eine Adresse.
Ein ehemaliger Geschäftsführer.
Eine Beteiligung.
Eine Domain.
Eine Telefonnummer.
Eine Wallet.
Ein ungewöhnlicher Zahlungsweg.
Einzeln betrachtet oftmals bedeutungslos.
Zusammen möglicherweise das fehlende Bild.
Fazit: Follow the Money bedeutet heute mehr als Kontobewegungen
Der aktuelle Fall Shelbit zeigt, wie eng klassische Unternehmensstrukturen und digitale Finanzströme inzwischen miteinander verbunden sein können.
Kryptowährungen haben die wirtschaftliche Ermittlungsarbeit deshalb nicht überflüssig gemacht.
Im Gegenteil.
Sie haben eine zusätzliche Ebene geschaffen.
Unternehmen müssen heute nicht nur wissen, mit wem sie einen Vertrag schließen.
Sie sollten bei risikoreichen internationalen Geschäftsbeziehungen auch verstehen:
Wer steht tatsächlich hinter dem Geschäftspartner?
Welche Unternehmen und Personen sind mit ihm verbunden?
Woher kommt das Geld?
Wohin fließt es?
Und vor allem:
Welche Risiken befinden sich möglicherweise eine oder mehrere Ebenen hinter dem unmittelbaren Vertragspartner?
Genau dort beginnt moderne Corporate Intelligence.
Häufig gestellte Fragen – FAQ
Was versteht man unter Sanktionsumgehung?
Bei einer Sanktionsumgehung werden Strukturen oder Transaktionen genutzt, um bestehende wirtschaftliche oder finanzielle Beschränkungen zu umgehen. Dabei können beispielsweise Zwischenhändler, Drittstaaten, Firmenkonstruktionen, alternative Zahlungswege oder digitale Vermögenswerte eingesetzt werden.
Nicht jede komplexe Struktur ist jedoch automatisch illegal. Entscheidend sind Zweck, Beteiligte, wirtschaftlicher Hintergrund und die jeweils geltenden Sanktionsvorschriften.
Können Kryptowährungen anonym zurückverfolgt werden?
Viele öffentliche Blockchains dokumentieren Transaktionen dauerhaft. Dadurch lassen sich Geldbewegungen technisch analysieren. Die eigentliche Herausforderung besteht häufig darin, eine Wallet-Adresse einer natürlichen Person, einem Unternehmen oder einem bestimmten Dienstleister zuzuordnen.
Deshalb werden Blockchain-Analysen besonders wirkungsvoll, wenn sie mit OSINT, Firmenrecherchen und Background Checks kombiniert werden.
Was ist Blockchain Intelligence?
Blockchain Intelligence bezeichnet die strukturierte Analyse von Transaktionen und Beziehungen innerhalb von Blockchain-Netzwerken. Dabei können beispielsweise Wallet-Verbindungen, Transaktionswege, Cluster und Interaktionen mit bekannten Börsen oder Diensten untersucht werden.
Reicht eine normale Sanktionslistenprüfung aus?
Nicht immer.
Eine Sanktionsliste zeigt bekannte gelistete Personen und Unternehmen. Komplexe Unternehmensnetzwerke können jedoch weitere Gesellschaften, wirtschaftlich Berechtigte oder Zwischenpersonen enthalten, die nicht unmittelbar unter dem Namen des Vertragspartners auftreten.
Bei erhöhtem Risiko sollte deshalb eine vertiefte Geschäftspartnerprüfung erfolgen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Background Check und Corporate Intelligence?
Ein Background Check konzentriert sich typischerweise auf eine bestimmte Person oder ein bestimmtes Unternehmen.
Corporate Intelligence geht weiter.
Dabei werden Unternehmen, Personen, Beteiligungen, Vermögenswerte, Geschäftsbeziehungen, digitale Spuren und andere Informationen miteinander verbunden, um wirtschaftliche Netzwerke und Risiken sichtbar zu machen.
Was bedeutet Asset Tracing?
Asset Tracing bezeichnet die Suche nach und Analyse von Vermögenswerten und Vermögensstrukturen. Dazu können je nach Fall beispielsweise Unternehmensbeteiligungen, Immobilien, Fahrzeuge, Finanzstrukturen oder digitale Vermögenswerte gehören.
Wann sollte ein Unternehmen eine Enhanced Due Diligence durchführen?
Eine vertiefte Prüfung kann insbesondere sinnvoll sein, wenn Geschäfte mit erhöhtem Länder-, Branchen-, Sanktions- oder Reputationsrisiko geplant sind oder wenn ungewöhnliche Eigentümerstrukturen, Zahlungswege, Zwischenhändler oder andere Red Flags auftreten.
Die Europäische Kommission empfiehlt bei erhöhten Sanktionsumgehungsrisiken einen risikobasierten Ansatz und eine entsprechend vertiefte Prüfung von Geschäftspartnern und Transaktionen.
Kann DETEGERE internationale Geschäftspartner überprüfen?
Im Rahmen von Corporate Intelligence können Informationen zu Unternehmen, Personen, Beteiligungsstrukturen und wirtschaftlichen Verbindungen systematisch recherchiert und bewertet werden. Abhängig vom konkreten Sachverhalt lassen sich OSINT, Background Checks, internationale Firmenrecherchen, Asset Tracing und weitere Ermittlungsansätze miteinander kombinieren.
Ziel ist nicht die bloße Sammlung von Daten, sondern die Identifizierung und Bewertung möglicher Risiken und verborgener Zusammenhänge.
Quellenhinweis: Grundlage der aktuellen Berichterstattung sind insbesondere die Veröffentlichung des U.S. Department of the Treasury/OFAC vom 7. August 2026 sowie die Reuters-Recherchen vom 31. Juli und 7. August 2026. Shelbit weist die gegen das Unternehmen erhobenen Vorwürfe zurück.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle rechtliche oder sanktionsrechtliche Beratung.
Bild: KI generiert

